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Wir schmücken die Kirchen mit Blumen. Ich erinnere mich noch: Als die Neue Schar am Februar von der Leuchtenburg verwiesen, schlägt ihm sofort heftige öffentliche Kritik und Häme entgegen. Bald sind die Satiriker zur Stelle. Im gleichen Jahr erscheint von ihr der Roman Drude. Dessen übertriebener Pathos und der schwärmerisch-pseudoreligiöse Charakter der Hauptfigur passt nicht zur Aufbruchstimmung der Jugendbewegung.

Jedenfalls ist sie in diesen Kreisen nicht sonderlich beliebt. Bald wisperte die kritische Jugend: Prellwitz mystische und unklare Haltung zum Nationalsozialismus befeuert dies noch.

Rundbrief des Maienwerkes vom März begrüsst sie die Hakenkreuzfahne, veröffentlicht weitere profaschistische Flugblätter und hat Sympathien für die Führernatur Hitler. Bis heute schwebt über Muck das Verdikt von der Haremswirtschaft. Doch mit mönchischer Askese hatte diese Haltung nichts zu tun. Es war jene Selbstzucht, wie sie in der Jugendbewegung seit Jahren geübt wurde.

Die Kameradschaft als geschlechtslose Beziehung zwischen Jungen und Mädchen bedeutete den Verzicht auf Erotik und war der Preis für die errungene Freiheit. Die Fairness erfordert es, diese in der Rückschau einzubeziehen.

Anmassende Urteile über intime Lebensbereiche und Philistertum sollten wir möglichst vermeiden. So behauptet sie, Mucks Leben war von der freien Liebe und einem hemmungslosen geschlechtlichen Sichausleben bestimmt.

Im Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr. Lisa Tetzner veröffentlicht Zur Autorin siehe Elena Geus: Es besticht durch einfühlsame, tiefenpsychologisch geleitete Beschreibungen, interessante Details, unbefangene Urteile zur Beziehung der Geschlechter in der Neuen Schar und zur Sexualmoral ihres Anführers Friedrich Muck-Lamberty.

Möglicherweise ist die Schlagzeile einfach dem Auftrag der Zeitung geschuldet, dass Interesse der Öffentlichkeit für ein neues Thema zu wecken. Doch die deutschnationale Sprachästhetik mit leicht rassistischem Akzent überzeichnet Mucks jugendpolitisches Engagement und Streben.

Helgoland - ein Kapitel für sich! Wenn die Tage des Frühlings wiederkommen, so wird auch Muck-Lamberty von seiner Leuchtenburg herniedersteigen. Denken wir daran, das alle Mädchen, die ihn jetzt noch nachlaufen. Meuterer in Kiel, notorischer Bettler , Auslöser einer wahren Tanzseuche in Mitteldeutschland, Prediger des Evangeliums der freien Liebe, deutschnationaler Parteigänger und kommunistischer Agitator.

Mucks Gegner leisteten sich unglaubliche Tollereien. Ihre Kritik verliert oft Mass und Mitte. Aber diese Unsachlichkeit und Feindseligkeit im Umgang mit dem Wanderpropheten, das wollen sie nicht. Dennoch war es weder Führerkult noch eine besondere Form von Messianismus , die die Neue Schar so beliebt machte. Muck bekümmert die ausbreitende kulturelle Niveaulosigkeit der Volksfeste.

Ihr Alten habt nicht das Recht, uns nach Euren Gesetzen. Für Muck öffneten sich die Tore der Kirche. Oktober gegenüber Werner Kindt, der ihn "in die Kirchen brachte, das heisst, dass er ab Weimar in den Kirchen "predigen" konnte: Weimar, Erfurt, Gotha, Eisenach etc. Ich war es auch, der durchsetzte, dass [in einer lutherischen Kirche] neben dem Luther-Lied Eine feste Burg Tausend Fehler sieht man an ihnen.

Tausend Gerüchte setzt man über sie in Umlauf. Spartakist - schreit der eine; Bolschewisten - der andere. Aber sind sie denn auch alle wahr und korrekt? Paetel , Heinz R. Rosenbusch , Kurt Haufschild , Ulrich Linse Friedrich Lamberty erblickt am Die frühen Jahre seines Lebens liegen für uns im Dunkeln. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Neue Schar A 17, Nr. Mutter Franziska Lamberty, geboren am Oktober , eine Hessin aus Meisingen, Tochter des dortigen Bahnhofsvorstehers, lebte bis Juni in Neheim an der Ruhr, führte ein autoritäres und rechthaberisches Familienregime.

Der Kaufmann, der das Glück zu verkaufen hat. Seit den Kindertagen nennt man ihn Muck. Besonders die Freideutsche Jugend und weite Kreise der Öffentlichkeit nannten ihnen "Muck", was hier der Einfachheit halber übernommen wird, aber keineswegs ein Duz-Verhältnis zum Ausdruck bringt. Er war von kleinem Wuchs, weshalb ihn die Leute verspotteten. Sein fröhliches Naturell liess ihm das ertragen. Er spielt und liesst gern. Der Wächter fragt den von den Ereignissen gezeichneten Muck, was er nun zu tun gedenkt, worauf der antwortet: Ich suche den Kaufmann, der das Glück zu verkaufen hat.

Auch Friedrich trägt diese Hoffnung aus dem Elternhaus. Er arbeitet als Vertriebsleiter für ein Reformhaus in Stuttgart. Sein Gehalt soll respektabel gewesen sein. Er ist Vegetarier und ein leidenschaftlicher Alkoholgegner. Bald übernimmt er eine Filiale des Unternehmens in Brünn Brno. Mucks Weg führt nach Esslingen am Neckar.

Aber so ungünstig war das gesellschaftliche Umfeld für die Unternehmungslustigen auch wieder nicht. Immer stärker brandet die Lebensreformbewegung mit ihren Bedürfnissen auf.

ML wird sich in die Jugend- und Lebensreformbewegung einmischen. Über schwere Rückschläge hinweg, erhält er seine aktive Lebensposition. Und lebte dabei manche kleine Unvollkommenheit, wie es seine Verteidigerin Gertrud Prellwitz ausdrückt. Sie können nur als Anhaltspunkte betrachtet werden. War Muck in Ascona? Möglich, antwortet Hermann Müller , nur wir können es nicht wissen. Nach einer Wahrheit, die ihnen die damalige, bürgerlich, autoritär und nationalistisch geprägte Gesellschaft nicht bieten konnte.

Gräser kam erst wieder auf den Berg. Hier erinnert er sich an das Gräser-Gedicht: Wie sollte ich dem Himmel dienen und von der Erde lassen - wie? Die Erde, wo der Hochwald thronet, die Mutter mit dem Kinde wohnet? O Erde voller Himmel! In anderen Fällen zitiert er Gräser offen und mit Namensnennung. Über Gusto Gräser partizipiert er an den Ideen der Kommune. Fraglos waren die Gründer des vegetarischen Wahrheitstempels von hohen und ehrlichen Idealen durchweht.

Juli im Berliner Tageblatt , "was ihnen Landmann als stärkstes Verdienst anrechnet, in der Fähigkeit, den praktischen Anforderungen des Tages stets auf Kosten ihrer Ideale Rechnung zu tragen. Doch welche Ideale meint er? Welche Werte leiten ihn? Der Kampf der Jungnaturen gegen die Alten.

Im Juni beginnt die Wanderung der Neuen Schar. Weg mit der Herrschaft der Alten über die Jungen. Sein Vertrauen in Kraft und Elan der Jugend ist nahezu grenzenlos. Auf einem Flugblatt in Eisenach Erstere heisst er auch geistige Proleten oder alte Menschen. Die für ihre Idee leben, sind die Jungen oder Gottmenschen. Der geistige Boden für den Kampf gegen die Alten war längst bestellt. Die reformfreudige Jugend drängt schon lange darauf hin.

Das Vorarlberger Volksblatt verschaffte sich am 3. April unter der Überschrift "Die neue Jugendverführung" etwas Abkühlung, wenn es den Lesern dartut: Mit den Funktionären der Arbeiterparteien und Gewerkschaften haderte er, gewinnt zu ihnen nie viel Zutrauen.

Mittel sind, ihre Herrschaft über den guten, den lebendigen Menschen zu erhalten. Wohl deshalb erklärt Muck am 9. September in der Augustiner Kirche zu Gotha, dass sie "nicht im Namen einer Partei kämen und jeden Standesunterschied ablehnten. Nicht ganz unwichtig ist, dass seine Kritik weniger auf die Parteiendemokratie als auf die Parteienwirtschaft abzielt. Zudem trägt sie volkstümlichen Charakter und ist nicht staats- oder verfassungsrechtlich begründet.

Muck will nicht, dass der Parteienschlamassel in die Jugendbewegung eindringt. Ganz ähnlich wie Muck kritisierten viele demokratisch gesinnte Intellektuelle die Entfremdung der Parteien vom Bürger, ihre Phrasendreschereien, den Widerspruch zwischen Wort und Tat, von Parteiprogramm und Regierungspolitik, den Einsatz hochaggregierter Symbole zur Kaschierung von Mängeln und das Karrieredenken der Volksvertreter.

Beispielsweise moniert Lisa Tetzner Die immer wieder erhobene Forderung der. Überall wo dies versucht wurde, stiess es auf ihren Widerstand. Der eine will die Bildung des Charakters und Entwicklung des Urteilsvermögens, der andere ist lediglich auf die Disziplinierung der Mitglieder und die Erhaltung der Macht gerichtet. Die Macht der Maschine.

Muck fürchtet die Diktatur der Maschine über den Arbeiter. Wilhelm Flitner , der ihn von den Reden aus der Jenaer Zeit kannte, fiel auf: In seinen Reden widerspiegelt sich die Ambivalenz des technischen Fortschritts.

Ihm bereitet die fortschreitende Mechanisierung und Automatisierung der Arbeit grosse Sorgen. Massen- und Billigproduktion bedrohen die wirtschaftliche Existenz vieler Handwerker.

Oft bleibt ihnen nur, sich als Hilfsarbeiter zu verdingen. Aufhebung der Entfremdung der Arbeit im Handwerk. Nach der Überzeugung von Muck bietet dem jungen Menschen allein die Sphäre des Handwerks einen Korpus für Rechtschaffenheit und selbstbestimmtes Arbeiten, betont aber, "Für den Massen- und Haufenmenschen ist das Handwerk nicht da.

Die Botschaft des Plakats vermittelt anschaulich, warum das Konzept der Handwerksarbeit als Charakterbildung eines Volkes kein gesellschaftliches Echo fand. Schon etwas ungläubig fragt Lisa Tetzner in Selbstlose Brüderlichkeit nach: Trotzdem will er die Entfremdung in der industriellen Massenproduktion durch das Handwerk überwinden.

Die Idee vom neuen Markt. Wenn man in die "Werkstätten der heutigen Heimarbeiter schaut", "dann kann man das Gruseln bekommen, was nicht alles an Schund und Tand hergestellt worden ist und noch wird".

Man erwartet das Gute vom Handwerk selbst. Wir haben aber eingesehen, dass der schaffende Künstler, der Handwerker und Kaufmann Hand in Hand gehen müssen, damit der bestehende Einfluss des Kaufmanns auf die Herstellung der Roherzeugnisse den Erneuerungsbestrebungen zu Gute kommt.

Sie wollen gemeinsam schaffen. Wie mancher will nicht den toten Weg des Beamten gehen und es kommt ein Kampf in der Familie. Die Tradition, die dumme Anschauung, dass der schlichte, einfache schöpferische Handwerker minderwertig sei, will den jungen, lebendigen, strebsamen, Menschen zwingen, einen "höheren" Beruf zu ergreifen.

Vielen jungen Menschen bin ich begegnet," blickt Muck in Die Handwerkerschar von der Leuchtenburg zurück, "die so Heim und Anhang verliessen und draussen in der Welt Land und Meister suchten. Anerkennung der Arbeit und Leistung des Handwerkers.

Immer setzt er sich für die gebührende moralische und wirtschaftliche Anerkennung der Arbeit des Handwerkers ein. Ich war mit Dichtern und Denkern bei ihm und sie bewunderten sein Können.

Was ist daneben manchmal ein Professor für irgendeine überflüssige Wissenschaft mit Staatspension? Aus Echtheit müssen sie leben. Gar nicht viele brauchen, keine üppige Ernährung und nicht tausend Dinge. Über das ganze Leben beschäftigen ihn die wirtschaftliche Lage der Handwerksbetriebe und ihr Einfluss auf die Familien. Er überlegt, ob die Abwanderung in die Landwirtschaft ein Ausweg wäre, oder ob die Bedrängten ihr Geschäft - zumindest in bestimmten Regionen - durch gastronomische und touristische Angebote erweitern könnten.

Muck ist ein talentierter Kaufmann. Und das, lehrt die Erfahrung, rief zu allen Zeiten die Neider auf den Plan. Immerhin gehört sein Betrieb hinsichtlich Umsatz und Anzahl der Beschäftigten, die freilich saisonal schwankten, zu den erfolgreichsten Unternehmen der Stadt. Das war nicht das Ergebnis von zufällig wirkenden Naturkräften, Geschenken oder Zuwendungen.

Vielmehr musste er sein kleines Unternehmen unter schwierigen äusseren Verhältnissen gründen, stabilisieren und entwickeln. Heute lösen diese Begriffe beim Bürger aufgrund ihrer Funktion in der nationalsozialistischen Ideologie und Politik oft Aversionen aus.

Daraus können Vorab-Urteile entstehen, die in die Irre führen. Es hilft nichts, beide Begriffe müssen genau erhoben und in der Zeit verstanden und interpretiert werden.

Allgemein ist festzustellen, dass sie ihren Inhalt in Abhängigkeit vom Kontext verändern und zur Amplifikation neigen. Doch längst nicht alle, die von völkischen Ideen befallen, nehmen den Übergang zum Nationalsozialismus. Es existiert ein breites Spektrum völkischer Ideen. Unterschiedliche politische Richtungen nutzen sie zu Werbezwecken. Thesen zur Deutschen Volksgemeinschaft. Hier erhalten seine Hoffnungen zur Vitalisierung und Umgestaltung Deutschlands einen für diese Zeit erstaunlich klaren Ausdruck.

Beseelt vom "Glauben an das deutsche Volk", soll nach der Katastrophe des Weltkrieges und den in der Revolution aufbrechenden Gegensätzen eine neue Gemeinschaft, die Volksgemeinschaft entstehen. Die Deutsche Volksgemeinschaft setzt sich aus allen Schichten zusammen. Alle Deutschen, die wirklich gesinnt sind, die sittlichen Kräfte unseres Volkes zu heben, können Mitglieder werden. Auf das Tiefste bedauert die Volksgemeinschaft den Untergang des Handwerks.

Und sie hofft, es wiederzubeleben. Die Deutsche Volksgemeinschaft will eine Erziehungsgesellschaft sein. Die Volkserziehung führt zur Volkshochschule. Selbst die Kasernen sollen als als Bildungsgemeinschaft angesehen werden. Eine gesunde Gesellschaft möchte die religiöse Not unserer Zeit mehr beachtet sehen. Ein freies starkes Volk basiert auf den gesunden Beziehungen der Geschlechter.

Die Pflege des Deutschtums war oft das Einfallstor für die Revisionspolitik. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass die Autoren des Flugblatts von Muck-Lamberty aus Revolutionstagen dies im Schilde führten. Vielmehr begreifen sie die Existenz- und Lebensweise der Völker als gleichberechtigt. Im Text heisst es: Darin ist kein rassistischer oder völkischer Denkansatz zu erkennen. Wo und wann er diese Lehre verkündet haben soll, konnte auf Grundlage der für den vorliegenden Text ausgewerteten Quellen nicht erhoben werden.

Fritz Borinski und Werner Milch geben ebenfalls keine Quelle an. Möglicherweise bezieht sich ihr Urteil auf die Veröffentlichung. An die Lebendigen im Adel. Es muss zur Scheidung der Geister kommen," prophezeit er. Nicht den des Sozialismus - den der Gerechtigkeit - der Heimatkraft. Ihre Tänze, Spiele und Lieder schürten nicht die Angst vor dem Fremden, sondern trachteten nach Vertrauen und schafften eine emotionale Gestimmtheit, die als Grundlage für die so wichtige Kooperation dienen kann.

Beim Lesen von An die Lebendigen im Adel scheint es einen Augenblick so, als wollte oder könnte Muck hier die Brücke zum völkisch-nationalsozialistischen Denken überschreiten.

Er tut es aber nicht, geht einen anderen Weg, wofür die Veröffentlichung der Thesen zur. Im Kontext der Arbeitslosen-Frage fordert er vom Bürgertum die Bereitschaft "mit den Freiwilligen bereits die neue Ordnung zu schaffen, die unbedingt notwendig ist,. Darin kommt allerdings eine Überhöhung der ethnisch-kulturellen Merkmale eines Volkes, beherrscht von der Vorstellung, dass Eigene könnte durch das Fremde zerstört werden, zum Ausdruck. Die völkische Ordnung setzt die rassische Homogenität der Volksgemeinschaft voraus, die der Staat schaffen muss.

Soll sie etwa, worauf die Rassenpolitik des Nationalsozialismus abzielt, von innen gereinigt, von allen fremdartigen Einflüssen befreit und erneuert werden? Nach Auswertung der hier nachgewiesenen Quellen, kann das nicht klar beantwortet werden.

Darin soll er Begriffe der Rassenlehre und andere bedenkliche Formulierungen verwendet haben. Eine für die Zeit typische und beflügelnde reflexive Abstraktion zum Wandern prägte Hans Breuer, gefallen am April bei Verdun, im Vorwort zur Neuauflage des Zupfgeigenhansel: Alfred Döblin ermahnt die Mobilitätsfanatiker, der speziell auch an die Kilometerfresser gerichtet ist: Reisen erweitert den Horizont.

Wandern nimmt in Mucks Jugendzeit physisch und kulturell-geistig einen herausragenden Platz ein. Der Wanderer findet zur Natur, entdeckt dabei seine Heimat und gewinnt Erfahrungen. Bekanntschaften und Freundschaften entstehen. Muck drängt, was im Aufsatz Den jungen lebendigen Predigern , 83 gut erkennbar, über diese Anschauungsweise hinaus. Wandern wird zur Voraussetzung für eine realistischen Weltbetrachtung, sprich sozialen Erkenntnisprozess. Von ihnen, wissen die Sonntagswanderer nichts, da sie ja nur selten den Schaffenden antreffen.

Aber "Wir aus der Jugendbewegung haben die Nöte [des Handwerks] durch die Wanderschaft kennen gelernt," bekräftigt er in Jugendbewegung, Handwerk und Volksfest , "und früh genug nachgesonnen.

Eine tüchtige Hausfrau sie gleich einlud. Es könnte vielleicht ihrer Italienwanderung entstammen. Als Bittel zu den Kommunisten einschwenkt, trennen sich ihre Wege. Ursache dafür waren wahrscheinlich nicht politische Differenzen, sondern einfach nur die Lebensumstände. Blick zum Schloss Werenwag im oberen Donautal. Ihm kommt der Gedanke: Er engagiert sich beim Wandervogel.

Muck und sein Wanderfreund teilen das Interesse an der Siedlungsfrage. Für Karl Bittel, der ab 5. Oktober die Politischen Rundbriefe verfasst, die sich ab Januar als ein Organ der freideutschen Sozialisten verstehen, soll die Genossenschaft an die Stelle der Lohnarbeit und Klassenherrschaft treten. Dieser Geist soll in die Schulen einziehen. Man schlägt Schülerräte und Schülergenossenschaften vor.

Um war Bittel im Konsumverein Esslingen tätig. Aufmerksam verfolgt er die sozialen Experimente zur Siedlungsfrage. Sechs Jahre später zieht er in Siedlungsmöglichkeiten Bilanz: Dann wollten sie mit Heinrich von Smissen auf dem Klingberg eine solche Handwerkersiedlung ins Leben rufen.

Es kommt der Krieg. Smissen und Peters fallen in Russland. Als Muck vom Militärdienst wieder heimgekehrt, greift er die Idee wieder auf.

Sie muss, erläutert er den Teilnehmern einer Versammlung der deutschen Volksgemeinschaft in Hannoversch-Münden, besonders der Jugend zur Entfaltung ihres Talents dienen.

Deshalb "Lenken wir die junge Schaffenslust und den freien Willen zum einfachen, herben Leben auf die Handwerksarbeit; dort kann jeder sich mannigfaltig auswirken und durch seinen guten, lebendigen Geist auch vorbildlich für das ganze Volk wirken.

Ist aber eine Stadt oder eine Gegend nicht gross genug, um die neuen Handwerker aufzunehmen, dann "gründen wir eine Niederlage in einem anderen Ort". So sollen "im ganzen Reiche Betriebsstellen der gesunden handwerklichen Arbeit" entstehen. Sie sind untereinander verbunden. Eine Zentrale organisiert die Werbung und Messen.

Muck will, dass die "Masse ihre Mittel" zu ihnen trägt und sie nicht wie bisher "von rücksichtslosen Kaufleuten ausgenutzt" werden. Das Projekt einer Handwerkergemeinschaft lässt Muck nie wieder los.

Das Verhältnis des Schülers zum Führer ist ein brüderliches. Wir können dies im Wandervogel auf jeder Wanderung beobachten.

Der Schüler fragt seinen Meister nach Dingen, die ihn bewegen, er steht all den neuen Dingen des Führers feindlich gegenüber, so dass alles erst erkämpft werden muss.

Zeichnung und Text aus: Ein Beitrag zur Neugestaltung der Kleidung. Sie fanden sich sympathisch. Hier kam Muck mit dem Sera-Kreis in Berührung. Zweifelos war dies für Muck eine Quelle der Inspiration. Im Oktober stellt Hans Eklöh ihn in seiner Firma an. Zuvor spendierte er Muck noch einige hundert Mark für Reisen. Als er dann in Lüdenscheid eintrifft, mietet der Unternehmer für ihn in der Nachbarschaft ein Zimmer, sorgt für Taschengeld und etwas Kleidung.

Der Neue arbeitet nur den halben Tag. Von der verbleibenden Zeit widmet er sich oft. Essen nimmt er beim Arbeitgeber ein. Idealismus und Arbeitskraft, bemerkt nach wenigen Wochen der Arbeitgeber, liefen aber darauf hinaus, ihn selbst überall Bekannt zu machen.

Juni im Brief an Hans Paasche. Der Kaufmann hat die Idee, das Haus Eklöh, wenn es weiter aufwärtsgeht, gemeinnützig zu betreiben.

Muck, der jede Sache mit Nachdruck in die Welt zu setzen wusste, stellte dies bei jeder Gelegenheit als seine eigene Idee heraus. Wenn ihn aber jemand an den Wagen fahren wollte, so lernte ihn Hans Eklöh kennen, konnte er saugrob werden. Im Januar kommt Georg Peters nach Lüdenscheid. Auch ihn unterhält und kleidet das Haus Eklöh. Dann und wann arbeitet er etwas. Zur Herkunft der Zeichnungen gibt es unterschiedliche Aussagen. Unter der Überschrift Was können wir tun?

Ihr kategorischer Imperativ lautet: Überdies machten beide dem Eklöh viel Ärger. Dabei war er ohnehin in keiner guten gesundheitlichen Verfassung. Eine Kur tut not.

Währenddessen, so die Überlieferung, steigerten sich die Machtgelüste von Muck. Muck wurde grob, ging aber nicht.

Nach einigen Tagen kam es wieder zu Auseinandersetzungen. Erneut wies ihm der Hausherr die Tür. Nun wählt er provokativ zu den Mahlzeiten seinen Platz am Familientisch.

Mai kündigte Eklöh ihm das Zimmer. Nach einigen hin und her verlässt Muck das Haus. Ihre Nachforderungen will er dann nicht mehr erfüllen. Das Meissner-Teffen vom Fidus, eigentlich Hugo Höppener , Ikone der Lebensreformbewegung, aquarelliert eine Fassung des "Lichtgebets" und zeichnet sie gleichzeitig als Steindruck.

Davon werden farbige Postkarten angefertigt. Sie werden zum 1. Freideutschen Jugendtag zum Verkauf angeboten. Hunderte Jugendliche und Junggebliebene strömen am Wochenende des Kurze Hosen geben die braunen Beine frei. Seine langen Haare hält eine Stirnkette aus Hagebutten. Beeindruckend der mächtige Bart, schreibt sie. Wenn Gusto Gräser kommt, darf Muck nicht fehlen.

Es ergreift ihn tief. Warum sonst, will er es nach dem Krieg wiederbeleben? Dann entstanden die Akademischen Freischaren. Die erste gründet er in Göttingen zusammen mit Hans Harbeck. Sie bewähren sich im freideutschen Gemeinschaftsleben als eine Grundform des Zusammenschlusses von nicht auf Übereinstimmung beruhender persönlicher Anschauungen.

Das Bestreben nach Einigung bildete sich, wie das Ideal von der Erziehungsgemeinschaft weiter Form annahm. Ihr zentraler moralischer Wert war die Selbstbestimmung. Als Deutschland zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht rüstete, erhält der Einigungsgedanke in den verschiedenen Organisationen weiteren Auftrieb.

B eim Vortrupp Leipzig tauchte ein ähnlicher Gedanke auf. Juni zu in Jena elf Verbände zusammen. Der Teilnehmerkreis ist - bis auf den Wandervogel e. Denn gemeinsam war ihnen, die Begeisterung für die Lebensreformbewegung. Allerdings musste man sich erst darüber klar werden, wo und wie man diesen Protest darstellen wollte.

Einige wollten zunächst eine Angliederung an die Leipziger Feierlichkeiten. Auf der Tagung wurden ebenso Möglichkeiten des Zusammenschlusses erörtert.

Unterschiedliche Meinungen trafen bei der Nominierung der Redner aufeinander. Manchmal wird darüber gerätselt, warum das so war.

Mir erscheint das ziemlich klar: Hier bekennen die Freideutschen: In Vorbereitung auf Den nationalistischen Tendenzen der wilhelminischen Erziehung, dem falschen Patriotismus, der allgemeinen Kriegstreiberei und dem verbreiteten Alkoholmissbrauch standen die meisten kritisch gegenüber. Die gemeinsame Erklärung, die berühmte Meissner-Formel , stärkte die moralischen Kräfte der Jugend und ihre Fähigkeit zur Selbsterziehung, was die Nation hoffen lassen durfte.

Linsensuppe und Nudeln kamen auf die gedeckten Tische. Wegen baustatischer Probleme begibt man sich nach einiger Zeit in den romantischen Burghof, um dann wieder in den Saal zurückzuziehen. Unter ein paar Kerzen des Kronleuchters im malerischen Halbdunkel Avenarius sitzen Volkserzieher und Lebensreformer, Vortrupp, Siedlerbund und deutschnational gesinnter Handlungsgehilfenverband, Vertreter der Verbände und Bünde der Lebensreform, Alkoholabstinenz- und Bildungsbewegung zusammen.

Eindrucksvoll beschreibt er die Reformfeindlichkeit des Staates: Der Hanstein, Bahnstation Werleshausen. Kunstanstalt Car Thoericht , Hann. Danach meldeten sich zu Wort: Alle versuchten, die Jugend für sich zu gewinnen. Frank Fischer Wandervogel verewigt den Moment in der Notiz: Geistesleben übernational, Auffassungen Fichtes und Gneisenaus. Im Saal herrschte ein zwiespältiges Gefühl, weil man nicht wusste, was nun werden sollte. Ein anderer forderte zum Ende hin unter dem Jubel der Vortrupp leute, dass man das deutsche Volk aus der moralischen Gefährdung erlösen müsse.

Schliesslich musste die Tagungsleitung die Redeschlacht beenden. Mit der Organisation wurde die Deutsche Akademische Freischar beauftragt. Nach dem langen Abend stand einigen noch ein Marsch von bis zu zwei Stunden durch die regnerische Nacht zum Quartier bevor. Andere übernachteten in Zeltlagern.

Letztlich glückte es auf dem Hanstein nicht, dass Gemeinsame auszudrücken. Dafür waren die äusseren Umstände nicht gerade günstig. Niemals rechneten die Organisatoren mit so vielen Teilnehmern. Die Aussprache war viel, viel kleiner geplant. Und zu gross waren die Meinungsverschiedenheiten. Immerhin stimmten sie, was fast unbemerkt blieb, in der methodischen Ausrichtung der Jugendarbeit überein: Wahrheit, Natürlichkeit, Geradheit und Echtheit.

Zögerlich schaut die Sonne heraus. Viele werden diesen Tag zeit ihres Lebens nicht vergessen. Gusto Gräser mit Stirnriemen und Fruchthängematte. Der fanatisch national-hetzende und wieder seltsam gemütliche Professor Keil aus Österreich. Schweitzer Wandervögel und Freischärler. Natürlich ohne Alkohol und Nikotin.

Von einigen belächelt, von anderen bewundert. Sie sprechen über seine Sorgen und Nöte. Beide fordern den Umsturz, beiden kommen ins Irrenhaus, entgehen mit knapper Not ihrer Hinrichtung. Mai vor den Augen seiner Kinder auf dem eigenen Grundstück beim Fischen. Kurt Tucholsky hält an seinem Grab eine bewegende Rede.

Sie verteilen ein rotes Flugblatt auf dem zu lesen war: In der freien Empfänglichkeit der Jugend erblickt unser Bund die geborene Trägerin führender Gedanken. Die Genossenschaftsidee auszubreiten und zu vertiefen, zur Pflege und Förderung der Genossenschaft zu vereinen, Anregung zu geben und Wege zu weisen zur Anwendung genossenschaftlicher Selbsthilfe sind die Aufgaben des Bundes. Aussprache über die Bestrebungen der freideutschen Jugend. Eintreffen der verschiedenen Gruppen von den umliegenden Bahnstationen.

Feuerede von Knud Ahlborn. In den Abendstunden Feuer auf freier Höhe. Rede von Gustav Wyneken. Schlussrede von Ferdinand Avenarius. Nachmittags begannen die Vorträge. Der im Juli zum Vorsitzenden des österreichischen Wandervogels gewählte Mittelschul-Professor Ernst Keil sprach nach der Preisverleihung für die Sieger kleiner sportlicher Wettkämpfe über die bedrohte Lage der Deutschen im verbündeten Donaureich und die segensreiche Tätigkeit ihrer Schutzvereine, hebt das Grazer Tagblatt Die Freideutsche Jugend will aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten.

Das Meissner-Fest prägte ihre Ambitionen und ihr kulturelles Selbstverständnis. Natürlich darf in der Debatte zum Meissner-Jugendfest nicht verloren gehen, dass die Freideutschen als Ganzes - zumindest vor ihrer Jenaer Führertagung im April - sich unpolitisch verstanden, weil sonst die Gefahr besteht, sie mit Forderungen zu überfrachten.

Und das gilt, obwohl Arthur Rothe in der Zeitschrift Freideutsche Jugend darauf hinwies, dass es unter den Älteren Bestrebungen gab vom Jugendgemeindeleben zur Politik überzugehen. Begleitet vom Sonnenuntergang spricht Gottfried Traub Was er an Vaterlandskitsch und Systemrührigkeit bot, war kaum besser als das, was man am Oktober in Leipzig am Völkerschlachtdenkmal hörte.

Der Theologe konstruiert eine prästabilierte Harmonie zwischen der politischen Identität des heranwachsenden Jugendlichen und dem als Einigendes über der Vaterlandsliebe stehenden Staates. Selbst "wenn uns das Vaterland nicht gefällt", gehört ihm dennoch unsere Zuneigung.

Lasst uns die "romantische Vaterlandsliebe" vertiefen, fordert Traub. Man "muss sich opfern können, und die Felder von rufen es uns zu,. Vielmehr wollten sie ihr Leben in eigener Verantwortung gestalten. Durch Opfer zur Freiheit wird nach dem Weltkrieg zu einer beliebten selbstreflexiven Abstraktion verschiedenster politischer Organisationen. Und das ist noch immer nicht die ganze Fuhre. September in Stettin, kämpft er "gegen die Vermanschung unsers Volkes". Beifall war ihm gewiss, denn der Roman war bei der Jugend ungemein beliebt.

Wasser und Eisen, und Kohle und Dampf. Mir will oft scheinen, das alles herrscht über uns und unser Leben. Aber der Tag mag kommen, wo wir die Herren sind. Wenn wir die Führer finden. Die sich hier zusammenfanden , glaubten daran, was Hermann Popert am 3.

Juni in Leipzig zur Eröffnung der Vortrupp-Tagung erklärte, nämlich, das. Hier keimt der politisch verhängnisvolle Willensidealismus, wenn es ein muss, auch gegen die Tatsachen , der dann in der NSDAP, Hitlerjugend und Napola , freilich mit anderen Zielen als einst beim Vortrupp verknüpft, Einzug hält.

Gegen Abend wurden Fackeln ausgegeben und alle zogen mit Gesang zum etwa zwei Kilometer entfernten Holzstoss.

Knud Ahlborn , 31 übernahm die Feuerrede. Er antizipiert die "ungeheure Gefahren, die uns im Inneren drohen". Tausende und Hunderttausende Mitmenschen und nicht nur sie, auch viele Hunderttausende Ungeborener fallen täglich dem Feuer zum Opfer.

Entseelte Arbeit macht die meisten unserer Brüder und Schwestern zu Werkzeugen und hetzt sie bis zur Austilgung der letzten Selbstbestimmung. Entseelter und entseelender Genuss kommt hinzu Den zweiten Tag des Festes beschloss ein Fackelzug und brennender Holzstoss.

Weit leuchtete ein grosses Feuer ins Land hinein und verkündete "aus innerer Glut wachse der Mut ". Hell erschien ihnen die Zukunft, schildert 64 Elly Bommersheim die Stimmung, um dann anzufügen: Vorher sprachen noch Gustav Wyneken und Richard Avenarius.

Doch wir sollten nicht vergessen, dass er in der Frage des Nationalismus , der Rassenideologie , Beurteilung der Kriegsgefahr und Kritik am repetiven Lerncharakter der Schule recht behalten hat.

Schlimmer noch fürchteten sie seine Gefährten, über die das Vorarlberger Volksblatt aus Bregenz ermittelte Man verdächtigte ihn der Revolution, weshalb die Polizeidirektion seinen Auftritt verbot.

Geht nicht durch unser Volk ein tiefer Querriss, und ist wirklich die Freiheit des deutschen Volks schon zur vollen Wirklichkeit geworden? In eurem Kreise kann ich gewiss nicht lügen. Und es ist mir auch unmöglich, im Zeitraum weniger Minuten einmal demjenigen zuzujubeln, der ruft: Die Waffen hoch , und der euch zum Waffengange mit einem Nachbarvolk anspornen will, und dann gleich darauf zu singen: Seid umschlungen, Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt.

Möge nie der Tag erscheinen, wo des Krieges Horden sie durchtoben. Als ganz und gar nicht glücklich, monierte am Die Zeitung begrüsste, wie übrigens auch die Mehrzahl der Teilnehmer, dass nicht Gustav Wyneken als Festleiter , sondern. Ferdinand Avenarius ,. Leiter des Dürerbundes und Herausgeber der im Bildungsbürgertum viel gelesenen Zeitschrift Kunstwart , die Abschlussrede hielt.

Der liebenswürdige und von schalkhaften Humor durchwehte, wie ihn Zeitgenossen beschrieben, warf die Frage auf: Könnten unsere "bombenfeste Überzeugungen" nicht wacklig werden?

Der "unerschrockene Vorkämpfer für Wahrhaftigkeit", wie ihn Gustav Wyneken nennt, bedauert, dass die sozialistische Arbeiterjugend, Pfadfinder und Deutschlandbünde nicht teilnehmen wollten. Das Bayerische Zentrum hat uns im Landtag verleumdet. Februar eine Aufklärungsversammlung in die Tonhalle von München. Die anwesenden Vertreter der Jugendverbände und -gruppen erklären ihre Solidarität mit den Freideutschen.

Helmut Gollwitzer lenkte als Festredner die Aufmerksamkeit darauf, dass das Jugendleben dann im Massengrab stattfand, zweimal hintereinander, mit Hinopferung bester Auslese deutscher Jugend.

Muss man das noch Fragen? Erfolg, Aufstieg und Karriere als das Höchste, was man erlangen konnte, Ziel und Endpunkt bürgerlicher Lebensgestaltung. Meinte Gustav Wyneken das etwa mit "heroischen Lebenslauf"? Beschränkte sich die Meissner-Formel zu stark auf die innere Freiheit und moralischen Normative, ohne nach den materiell- ökonomischen Voraussetzungen dafür zu fragen? Standen die Meissner-Fahrer dem Fortgang der Geschichte ohnmächtig gegenüber? Wo blieben die besungenen Ideale? Wer kämpfte für die moralischen Werte der Meissner-Formel?

Die Torheiten der Jugend sind dahin, die Ideale halbvergessen, nur hier und da summt noch ein altes Wanderlied durch den Kopf Er hat über eine Jugend, die eine Welt stürmen wollte, was löblich, und die nicht die Atmosphäre auch nur eines Landratsbureaus hat ändern können, was weniger löblich ist. Verrauscht die schönen Reden, gedruckt und gelesen die schönen Zeitschriftenartikel, zerplatzt die Diskussionen Bisher liess sich der Wandervogel, hebt er hervor , kaum vom Klassen-, Parteien- oder Konfessionshass anstecken.

Doch es war auf dem Meissner mit Sorge zu sehen, dass jetzt der verworrene Begriff der Rassenhygiene in die Jugendorganisationen drängt. Denn ein Tropfen dieses Geistes genügt, was von reinem Bestreben bisher in ihr lebendig ist, zu verfälschen und zu verderben. E inige Redner klopften nationalistische Phrasen, was dem Vorsatz, dass Leben nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung zu führen , zuwiderlief.

Wahrheit, Gewissensfreiheit, Freiheit der Forschung - das alles wird ohne jedes Bedenken mit der nationalen Phrase zertrümmert. Natürlich hemmte der Nationalismus die politische Emanzipation der Jugend, zumal jener nicht viel mehr zu bieten, als die Anbetung eines über den sozialen Klassen stehenden Patriotismus im Dienste des Krieges. Das wollen wir getrost den Berufenen überlassen.

Wir wollen nicht unbescheiden sein. Wir wollen nur tun, was unsere Pflicht ist: Vor allem vom Standpunkt der Arbeiterjugend, die am Jugend-Treffen und der vorbereitenden Beratung in Jena nicht teilnahm. Es ist nicht unrealistisch anzunehmen, dass sie voraus sah, was die Abstinenz-Bewegung für sie bedeutete, nämlich die Zerschlagung ihrer Alltagskultur. Und das, obwohl zumindest ein Teil der Arbeiterjugend den Alkoholmissbrauch verabscheute.

Abgesehen von der Kulturrevolution, war die politische Verständigung zwischen bürgerlicher und proletarischer Jugend ohnehin schwierig genug. Ausserdem lebte sie in deutlich schlechteren, sogar in erbärmlichen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Da blieb oft verdammt wenig Spielraum für politische und soziale Aktivitäten. Aber noch ist die Zeit dafür nicht gekommen, mit hineinzuspringen in dieses Feuer. Auch nicht schlimm - oder? Von Lüdenscheid reiste Muck wahrscheinlich nach Leipzig. Dreizehn Länder zeigen vom 6. Sie boten oft Saisonarbeitsplätze und Aushilfstätigkeiten an.

Vielleicht hoffte Muck, hier wenigstens vorübergehend eine Arbeit zu finden. Hier wirkte Erich Matthes als Verleger. Der Wortführer des bewussten Deutschtums gewährt Muck Unterkunft.

Die Legende der Jugendbewegung war einst Mitglied in der Germania , dem Abstinentenbund an deutschen Schulen, und seit beim Wandervogel e. Es sammelte "Alte deutsche Volksballaden" und brachte sie bei F.

Hofmeister in Leipzig als Buch heraus. Von Pflicht und Recht des adligen Lebens. Auf der Bugra liess er ein Wandervogelhaus errichten, das zum Treffpunkt der Freideutschen wurde. Der Verleger lehnte ab, weil er ihm zu "schmierig" ankam, "man hätte ihn erstmal ordentlich anziehen müssen", teilt er Hans Wolf mit.

Erster Deutscher Vortrupp-Tag in Leipzig vom 3. Dabei entdeckten sie sich als Freideutsche Jugend. Vornan dabei die Vortrupp- Bewegung aus Leipzig.

Aber dann, auf dem ersten Vertretertag der Freideutschen am 7. Anlass waren Differenzen zur Tat-Philosophie und Erziehungsgemeinschaft , die bereits auf dem Meissner sichtbar.

In Ansehung der lebensreformerischen Gemeinsamkeiten, alle gemeinschaftlichen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend Alkohol- und Nikotinfrei durchzuführen, legen sie den Zwist bei. Aber sie streiten weiter über die Erziehungsgemeinschaft. Auf dem Vortrupp-Tag im Juni in Leipzig wollen zu mindestens einige ihre Zugehörigkeit zur Freideutschen Jugend demonstrativ aufgeben.

Sie reiben sich heftig an Bruno Lemke , 4 , der den Einfluss der nationalen Erziehung zurückdrängen will und im März in Marburg viele mit dem Satz irritierte: Sie ist in einem gewissen Sinne ziellos". Das entspricht nicht seinen Vorstellungen von Führung , die von der Masse-Elite-Theorie geprägt sind. Hermann Popert erweiterte den Begriff der politischen Führung um das voluntaristische Modul, "dass Wille zehnmal mehr wert ist, als Wissen".

Die damit verbundene Verselbständigung des Ichs gegenüber den Tatsachen zeitigt historisch betrachtet verheerende Auswirkungen. Nun betritt Friedrich Muck-Lamberty dieses politisch-ideologische Minenfeld. Offensichtlich ist hier seine völkische Ausrichtung: Er las von Wilhelm Schwaner über Poperts Helmut Harringa bis zu Paul de Lagarde die deutsch-völkische Literatur und bekannte sich unter deren Einfluss zu einem völkischen Glauben, einer germanischen Religion, die vielleicht auch schon Rassezuchtgedanken enthielt.

Mehrere hundert Vertreter aus ganz Deutschland reisen an, um gemeinsam zu debattieren, wie sie eine Tat-Jugend mit echter Vaterlandsliebe und echtem Pflichtgefühl heranziehen können, die gegen Untreue und Waschlappigkeit kämpft. Der Vortrupp verachtet die Stubenkultur , kritisiert die Wohnungsnot und den Alkoholismus, verficht den Grundsatz mens sana in corpore sano ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Anders gesagt, der Vortrupp möchte, und das war durchaus anschlussfähig zu anderen Reformbewegungen, die körperliche und geistige Ertüchtigung der Jugend.

Ihre Jugend zieht es zum Treffen auf den Hohen Meissner. Hermann Popert in seinem Festvortrag, dass der Vortrupp dem "neu erwachten Idealismus unseres Volkes" dient.

Er soll "Etwas schaffen, was oben bleibt! In der Plenartagung wird dann ein Telegramm von Mucks Freund Georg Peters verlesen, der vorschlägt, dass sich der Vortrupp an der Germanenbank beteiligt.

Am zweiten Verhandlungstag 5. Juni ziehen die Teilnehmer in den Kongress-Saal der Bugra um. Glaub an die Sache, der du dienst. Nicht ohne etwas Stolz spricht er davon, dass Deutschland in den zurückliegenden Jahrzehnten eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung durchlief.

Aber sie nahm auch, so der Kapitänleutnant in Ruhe, dem Kulturmenschen in der Steinwüste der Grossstadt Licht und Kraft, zerstörte die Religion und verfälschte den Geschmack. Überall wandeln frühe Todeskandidaten, unzählige Menschen mit "schlechtem Blut", verödeten Seelen, vom Mammon verführte und aufgeschwemmte Missgestalten umher. Es geht ihm nicht gut. Die Sache Eklöh in Lüdenscheid war für ihn nicht gut ausgegangen.

Und Matthes konnte nicht helfen. Er scheint, ziemlich ausgebrannt zu sein. In Leipzig wäre jetzt Gelegenheit, ja, für was nun genau?

Um mit Hans Paasche abzurechnen, mit dem er, wie noch mitzuteilen ist, quer liegt? Will er gar den Vortrupp umkrempeln? Was will Friedrich Muck-Lamberty hier? Allgemein ist der Vortrupp nicht gut auf Muck zu sprechen. Über seinen Auftritt in Leipzig erzählt das Protokoll Folgendes: Lamberty meldet sich zu Wort; Franziskus Hähnel, der die Versammlung leitet, hat Bedenken ihm das Wort zu erteilen, da Lamberty weder Mitglied des Deutschen Vortruppbundes ist, noch sonst mit dem Vortrupp irgendetwas zu tun hat.

Popert bittet aber, dem Lamberty das Wort zu geben, da sich Lamberty vor einigen Tagen gegenüber einem Mitglied der Versammlung dahin geäussert habe, er wolle nach Leipzig kommen, um ordentlich gegen Paasche loszugehen und dann einen neuen Vortrupp zu gründen; es sei ganz gut, wenn man Leute dieser Art einmal herauskommen lasse, was sie eigentlich vorzubringen hätten.

Die Versammlung ist einverstanden, dass Lamberty das Wort erhält. Lamberty der ja erst soeben erschienen ist und von dem bisherigen Verlaufe der Wechselrede offenbar gar nichts weiss erklärt, reden könne er nicht, was er zu sagen habe, habe er in einem Briefe an Herrn Paasche zusammengefasst, den er jetzt vorlesen wolle. Das wird ihm gestattet. Hans Paasche stellt darauf hin folgendes fest: Zum Danke dafür veranstaltete dann Lamberty auf Jugendtagungen in Westdeutschland und anderswo Treibereien gegen Paasche und gegen den Vortrupp.

Hans Paasche stellt weiter fest, dass Lamberty in einer Gebrauchsmusterschutz-Angelegenheit eine Rolle gespielt hat, die Herrn Paasche sehr missfallen hat.

Hans Paasche legt weiter einen Brief vor, aus dem hervorgeht, dass Lamberty versucht hat, bei Hans Paasche Treibereien gegen Hermann Popert zu veranstalten.

Schliesslich erklärt der anwesende Pfarrer Bruns aus Strassburg, nach dem, was man über Lamberty gehört hat, müsse entweder Lamberty den Saal verlassen, oder die anderen Anwesenden müssten ihm deutlicher zu verstehen geben, dass sie nicht mit ihm zusammen zu sein wünschten.

Die Versammlung stimmt dem zu, und Lamberty verlässt den Saal. Es kommt zum Eklat. Der Vortrupp Leipzig bezieht Kampfstellung.

Juni an Hans Paasche gerichtet hat, nachdem dieser ihm das Verhalten des Lamberty auf den Vortrupptage dargelegt hat. Im Zwist mit den geborenen Siegern.

Juni die Konvention zur Selbstdarstellung der Vortrupp -Mitglieder. Da kann Muck nicht mit. Wie ein geborener Sieger , so schaut er jetzt und hier bestimmt nicht aus. Trotzdem versucht der Aussteiger sich kritisch einzubringen. Doch ihm gelingt es nicht, etwa zur Debatte um die Definition der Erziehungsgemeinschaft oder zum Selbstverständnis des Vortrupps einzugreifen.

Er durchlebt, was Gustav Wyneken in Was ist Jugendkultur? Der Vortrupp ist hier ganz anderer Ansicht, wie Hermann Popert am 5. Juni in seiner Eröffnungsrede durchblicken lässt: Im Wandervogel übernahmen die Lehrer eine privilegierte Stellung.

Beim Vortrupp scheint dies in einem noch viel stärkeren Masse der Fall zu sein. Muck will das nicht verstehen. Ebenso die Organisation des Vortrupps , der ein "zusammenfassendes Organ" der Reformbewegung Popert anstrebt. Dazu nimmt der Vortrupp eine skeptische bis ablehnende Haltung ein, weil er an die ubiquitäre Kraft der Jugendbewegung, die "oft nur entsprungen aus bodenhafter Unkenntnis der Kraft der entgegenstehenden Mächte", nicht glaubt. In Erziehungsfragen verhält er sich konservativ.

Als Leitmotiv wählte der I. Nicht vom Elan der Jugendbewegung schwärmt der Vortrupp, umso mehr "vom festen Gesetz und festen Befehl". So löst der Vortrupp das Problem des kollektiven Handelns und zahlt dafür den Preis der Entindividualisierung der Jugendbewegung. Zum Ausklang des Vortrupp-Tages laden die Organisatoren am 7. Juni in das Universitätsholz ein. Bei herrlichsten Sonnenschein entfaltet sich ab Mittag unter den Buchen und Eichen eine ansprechende Geselligkeit.

Natürlich immer ohne Alkohol und Tabaksduft. Ganz "ungeniert" nimmt Muck an den Volkstänzen teil. Man will ihn wegweisen, denn Schwarmgeister wie er, sollen im Vortrupp kein Erntefeld finden Hähnel. Hier noch ein paar Schnappschüsse und Impressionen vom Wochenende! März — Newcomer Festival Puchheim bei München 8. April — Verkaufsoffener Sonntag in Moosburg April — Ingolstadt Fest zum reinen Bier Juni — Mittelalterliches Schlossfest Straubing Juli — Mittelalterliches Schlossfest — Schlosshotel Neufahrn i.

Juli Mittelalterfest Mauterndorf AT Juli — Historische Burgfest Burghausen August — Mittelalterliches Klosterfest Miesbach 4. August — Rettenburger Ritterfest in Oberwössen August — Ritterspektakel auf Burg Hohenfreyberg in Eisenberg August — Cafesito Conserts , Wasserburg am Inn

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